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Hesse, Hermann (1877-1962)
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Enzianblüte
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Du stehst von Sonnenfreude trunken Im seligen Licht und atmest kaum,
Der Himmel scheint in deinen Kelch versunken, Die Lüfte wehn in deinem Flaum.
Und wenn sie alle Schuld und Pein Von meiner Seele könnten wehen, So dürft' ich wohl dein Bruder sein
Und stille Tage bei dir stehen.
So wäre meinen Weltenfahrten Ein selig leichtes Ziel ersehn, Gleich dir durch Gottes Träumegarten
Als blauer Sommertraum zu gehn.
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Hesse, Hermann (1877-1962)
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Gestutzte Eiche
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Wie haben sie dich, Baum verschnitten Wie stehst du fremd und sonderbar! Wie hast du hundertmal gelitten, Bis nichts in dir als Trotz und Wille war!
Ich bin wie du, mit dem verschnittnen, Gequälten Leben brach ich nicht Und tauche täglich aus durchlittnen Roheiten neu die Stirn ins Licht. Was in mir weich und zart gewesen,
Hat mir die Welt zu Tod gehöhnt, Doch unzerstörbar ist mein Wesen, Ich bin zufrieden, bin versöhnt, Geduldig neue Blätter treib ich Aus Ästen hundertmal zerspellt,
Und allem Weh zu Trotze bleib ich Verliebt in die verrückte Welt.
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Hesse, Hermann (1877-1962)
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Rückgedenken
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Am Hang die Heidekräuter blühn, Der Ginster starrt in braunen Besen. Wer weiß heut noch, wie flaumiggrün
Der Wald im Mai gewesen ?
Wer weiß heut noch, wie Amselsang Und Kuckucksruf einmal geklungen ? Schon ist, was so bezaubernd klang,
Vergessen und versungen.
Im Wald das Sommerabendfest, Der Vollmond überm Berge droben, Wer schrieb sie auf, wer hielt sie fest ?
Ist alles schon zerstoben.
Und bald wird auch von dir und mir Kein Mensch mehr wissen und erzählen, Es wohnen andre Leute hier,
Wir werden keinem fehlen.
Wir wollen auf den Abendstern Und auf die ersten Nebel warten. Wir blühen und verblühen gern
In Gottes großem Garten.
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Hölderlin, Friedrich (1770-1843)
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Der Frühling
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Die Sonne glänzt, es blühen die Gefilde, Die Tage kommen blütenreich und milde,
Der Abend blüht hinzu, und helle Tage gehen Vom Himmel abwärts, wo die Tag entstehen.
Das Jahr erscheint mit seinen Zeiten Wie eine Pracht, wo sich Feste verbreiten,
Der Menschen Tätigkeit beginnt mit neuem Ziele, So sind die Zeichen in der Welt, der Wunder viele.
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Herrmann-Neisse, Max
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Die Eisheiligen
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Die Eisheiligen stehen mit steif gefrorenen Bärten, aus denen der kalte Wind Schneekörner kämmt,
früh plötzlich in den blühenden Frühlingsgärten, Nachzügler, Troß vom Winter, einsam, fremd.
Eine kurze Weile nur sind sie hilflos, betroffen, dann stürzt die Meute auf den Blumenpfad.
Sie können nicht, sich lang zu halten, hoffen; so wüsten sie in sinnlos böser Tat.
Von den Kastanien reißen sie die Kerzen und trampeln tot der Beete bunten Kranz,
dem zarten, unschuldsvollen Knospenglück bereiten sie hohnlachend Schmerzen, zerstampfen junges Grün in geisterhaft verbissenem Kriegestanz.
Plötzlich mitten in all dem Toben und Rasen ist ihre Kraft vertan, und die ersten warmen Winde blasen
aus der Welt den kurzen Wahn.
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Hahn, Ulla |
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Sommergras
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Zwischen weißen Wolkenfischen schleicht ein Jumbo Jet auf Zehen spitzen Grillen ihre Ohren
schalten in den hohen Wiesen Rasenmäher auf Gesang Nichts und niemand will uns stören alles jedes uns betören wenn wirs unter uns beschwören dass der Himmel offen steht
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