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Zweimal HILTON und zurück
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Alle saßen wir zusammen in meinem Zimmer. Jackie, Kathi, Robina meine kleine Schwester und ich,
Durchschnittsalter 16, tranken zusammen unseren 5 Uhr Tee. Die Gespräche drehten sich hauptsächlich um unsere Lieblingsband „Take That“. Wir 5 regierten nämlich den Take That &
Party Fanclub. Anderthalb Jahre machten wir das nun schon. Wir zählten uns zu den alten Hasen, den erfahrenen Teenies. Alles was wir organisierten wurde zu einem großartigen Ereignis. Auch
die zweite Take That Konzert Tour durch Germany sollte ein weiterer Meilenstein in unserer jungen Karriere werden. 5000 Flugblätter mit Werbesprüchen für unseren Fanclub waren in Arbeit.
Überall in Deutschland hatten wir unsere freien Mitarbeiter in die Spur geschickt, für uns zu werben und originelle Stories auszugraben. Mit der Hilfe von Radiosendern veranstalteten wir
Fantreffs. Und das alles aus einem kleinen Zimmer mitten von Klinikum City. Ein total buntes Zimmer eines Neubaublocks gelegen in einem ruhigen Waldstück in der nähe von Cottbus im
südöstlichen Brandenburg.
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Morgens um 8 Uhr wachte ich neben meinem Schatz auf. Ich fühlte mich frisch und ausgeschlafen. Gut das ich
gestern Abend gleich nach dem wir aus Dresden gekommen waren, ins Bett gegangen bin. Nichts war mehr von den hämmernden Kopfschmerzen zu spüren. Ich schlich also aus dem Zimmer, um meinen
Schatz nicht zu stören und gönnte mir eine schöne heiße Dusche. Danach machte ich ein herrliches Frühstück, ging zum Becker und brachte eine Zeitung mit. In der las ich dann, bis mein
Freund ausgeschlafen neben mir Stand um mir ein Guten Morgen Küsschen zu geben. Nach unserem Frühstück, dass wir zusammen mit unseren Wellensittichen genossen, räumten wir ein wenig auf,
um uns dann unseren Hobbys zu widmen. Sonst kamen wir eigentlich gar nicht dazu, da wir ständig unterwegs waren.
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Der große Tag war gekommen wir fuhren mit den Eltern von Jackie nach Berlin zum Take That Konzert. Jackie
hatte eine Übernachtung mit mir zusammen in einem Hotel auf dem Kurfürsten-Damm zum Geburtstag geschenkt bekommen. Damit wir als angehende Reporter auch vor Ort sein konnten. Mit
Flugblätter verteilen, fachsimpeln und Sprüche klopfen, verfolgten wir wachsam das Geschehen vor der Konzerthalle. Wann kommt der Bus? Ist das der Bus? Ist der Bus schon da, in welchem die
Fantasiegestalten hinter dunkel getönten Fenstern das Geschehen mit dem Finger in der Nase beobachten? Ja das waren ernsthafte Probleme. Aber wie ich schon sagte, wir waren erfahren. Nichts
konnte uns aus der Ruhe bringen. Gar nichts! Und warum klopfte uns trotzdem das Herz bis zum Hals? Warum rannten wir schneller als wir konnten hinter eben diesem Bus her? Warum drängelten
wir uns durch die Massen als endlich Einlass war? Warum fielen wir uns unter Tränen in die Arme als Robbie Everything Changes sang?
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Für den Nachmittag nahmen wir uns eine schöne Radtour durch Berlin vor. Ich wohnte zwar schon ein Jahr in
der Hauptstadt, hatte aber noch nicht all zu viel gesehen. Die Erinnerungen, die ich von Berlin hatte, spielten entweder vor Hotels oder Konzerthallen. So fuhren wir zum Alex, Straße unter
den Linden, durchs Brandenburger Tor, am Schloss Bellevue vorbei, weiter durch den Tiergarten bis hin zum Trödelmarkt. Ich kannte Trödelmärkte schon von Frankfurt /M., Koblenz,
Speyer oder Mannheim, von da her war ich ziemlich überrascht über das doch ganz nette Angebot. Aber nie im Leben würde ich auf einem Trödelmarkt etwas kaufen, kucken war ok. Wir fuhren
zurück durch den Tiergarten Richtung Potsdamer Platz. Es war ein schöner Herbsttag mit bunten Blättern an den Bäumen. Ich genoss es, endlich taten wir mal etwas für uns. Raus aus dem
Arbeitsleben! Auch wenn wir beide lieber die richtige Natur genießen, so erkundeten wir doch voller Freude Berlin. Am Potsdamer Platz fuhren wir schnell vorbei, wer will schon am Wochenende
seine Arbeitsstätte sehen, meinte Matthias grinsend. Jetzt bewegten wir uns in unbekanntes Terrain. Wir wollten zu U-Bahnhof Stadtmitte, direkt am HILTON.
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Es war ein furchtbar verregneter 25. März 1995. Wir hatten uns den Wecker für um 7 Uhr gestellt. Gönnten
uns ein ausgiebiges Frühstück im Hotel und machten uns dann, wie es für Reporter üblich ist, auf den Weg zum HILTON am Gendarmenmarkt. Wir waren uns fast sicher, so ziemlich die ersten zu
sein. Aber wir hatten die richtigen Fans unterschätzt. Einige hatten die ganze Nacht dort verbracht, und das in dem Regen!! Wir waren ja erfahren genug um zu wissen, dass wir in dieser Nacht
nichts verpasst hatten. Uns stand also ein nasskalter Tag bevor, den wir hauptsächlich stehender Weise vor einer Absperrung verbrachten, die Hotelportiers nervten, die Polizisten
unterhielten und ab und zu auch nach Take That fragten. Und es war noch so schön. Die Fußsohlen brannten, die Kniegelenke taten weh, der Rucksack hielt zwar warm aber drückte auf die
Schultern. Es war echt super. Am Nachmittag entschloss die angesammelte Menge zum Hintereingang zu gehen. Irgendwer hatte was gehört, gesehen oder geahnt. Da sonst keine Anhaltspunkte
vorhanden waren, verließen wir uns also auf dieses Gefühl.
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Wir radelten die neuen Straßen grübelnd entlang, sind wir in Ost oder West? „Wir fahren gerade aus.“
„Aber die nächste müssen wir dann rechts!“ „Aber nicht so weit rechts, wir müssten eigentlich gleich drauf stoßen.“ Irgendwann einigten wir uns auf rechts, und so wie ich abbog
und vor mir eine U-Bahnstation „Stadtmitte“ sah, wandelte sich mein suchendes Gesicht in ein fröhlich, strahlendes. Aber wo war das HILTON? Das gibt’s doch nicht, wo zum Teufel? Es
muss noch mehr U-Bahn Stationen geben von „Stadtmitte“ meinte Matthias. Und plötzlich standen wir am Check Point Charlie, wo wir ja eigentlich auch hinwollten. Gut das HILTON musste
warten, zuerst gab´s ein Stückchen Geschichte. Da vor dem Museum eine ziemlich lange Schlange war entschieden wir uns ein anderes Mal herzukommen. Freudig radelte ich also wieder zurück,
zu „Stadtmitte“. Schließlich hatte ich mich jetzt fest entschlossen das HILTON aufzusuchen. Ein Blick auf die Karte und ich wusste wo wir lang mussten. Es dauerte keine Minute da bog ich
in die Straße ein, ja die Straße vor dem HILTON.
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Es war wahrhaftig ein toller Tag. Während wir nun also hinter dem HILTON unser Unwesen trieben, uns am
Tourbus verewigen mussten, Interviews gaben und stolz waren: „Die vom Take That & Party Fanclub“ zu sein, kam doch tatsächlich der Bus aus der Tiefgarage und hielt nicht einmal 2
Meter vor uns an. Wir sahen winkende Gestalten, vier an der Zahl. „Da ist Mark!!!“ Rief ich total erschrocken und sprang zwischen den anderen Mädels in der Blumenrabatte hin und her. Ja
sie waren es, sie waren es leibhaftig. Gestern noch in der Konzerthalle heute schon im getönten Tourbus, direkt vor uns, einfach unglaublich. Wie von tausend Taranteln gestochen, rannten die
ca. 200 Fans dem Tourbus hinterher. Was für ein faszinierendes Bild. Wie muss das aus dem Bus ausgesehen haben? Total wahnsinnige, aufgelöste, schreiende, weinende Mädels, die ohne auf den
Verkehr zu achten einem Bus hinterher rannten? Und danach? Der Bus verschwand hinter der nächsten Kreuzung Richtung Konzerthalle. Die Mädels fielen sich zitternd und weinend in die Arme.
Das Schluchzen nahm kein Ende.
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Mensch hatte sich das alles verändert in den 6 Jahren. Rund um das HILTON ist eine HIGH SOCIETY entstanden.
Schicke Cafes und Restaurants, Bars und teure Läden funkelten uns entgegen. Aber ich hatte erst mal nur Augen für das HILTON. Was hatte ich hier alles erlebt? Viele Bilder schossen mir
durch den Kopf. Der Eingangsbereich sah noch genauso aus wie damals, als wir den ganzen Tag davor standen und die verrücktesten Sachen anstellten. Ich werde nie vergessen wie wir die Meute
dazu gebracht haben „Klingeling, Klingeling hier kommt der Eiermann“ zu singen wenn ein Mann das Hotel verließ bzw. „Heidi, Heidi deine Welt sind die Berge“ wenn eine Frau raus kam.
Und das auch noch mit einer Ausdauer und Lautstärke, dass selbst Polizisten sich fast in die Hosen machten, vor lachen. Es waren doch schöne Zeiten, damals. „Komm ich will zum
Hintereingang!“ rief ich zu Matthias und radelte erneut los. Ja und dann stand ich da vor der Garageneinfahrt, wo einst der Bus raus kam. Sah die Rabatte auf der ich gestanden hatte, als
ich glaubte Mark zu erblicken. Dort fuhr der Bus lang, dort liefen wir die Straße entlang!
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Die Gruppe der Mädels löste sich allmählich auf. Jackie und ich fuhren erschöpft zum Alex, um den
nächsten Zug nach Hause zu bekommen. So kaputt war ich noch nie zuvor gewesen. Es war unbeschreiblich schön. Ein bisschen traurig waren wir aber trotzdem. Schließlich war nun alles vorbei,
worauf wir uns so lange gefreut hatten. Take That gaben gerade das zweite Konzert in der Deutschlandhalle und wir mussten nach Hause. Aber wir hofften auf ein nächstes mal. Irgendwann!
Irgendwo! Irgendwie!
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Wir entschlossen uns weiter zu fahren. Der Gendarmenmarkt war unser nächstes Ziel. Ja es gibt schöne
Ecken in Berlin. Wir waren tüchtig geschafft als wir wieder zuhause waren. Ich holte einen kleinen Ministollen aus dem Schrank und machte Capuccino. Als wir beim Cafe saßen, waren wir uns
einig, es war ein schöner Sonntag.
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