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Am nächsten Tag blies der Wind ziemlich frisch. Immerhin hatten wir den 2. September. Wieder stiegen wir in
die Boote. An diesem Tag, war ich nicht so gut drauf. Körperliche Mattheit aufgrund des Arbeitsstresses der letzten Woche sowie einer schon ewig wehrenden Erkältung setzten mir ebenso zu,
wie die Angst die in mir stieg. Zwar hatten wir zumindest die Wende theoretisch mit Hilfe von zwei Stühlen und einem Besen durchgespielt, aber der Wind... Die ersten Probleme hatten wir beim
Ankern bzw. dem nächsten Schritt das Großsegel zu setzen. Da der Anker alles machte, nur nicht das Boot verankern, drehten wir uns im Wind. Ich in meiner panischen Angst hielt natürlich
das noch nicht ganz gereffte Grossegel samt Mastbaum fest, anstatt es loszulassen. Somit drehten wir uns weiter, kämpften mit der Schräglage und gaben uns gegenseitig unnütze Anweisungen.
Bis Matthias den Anker nochmals auswarf, der uns dann doch noch fest hielt, so dass wir das Segel weiter klar machen konnten. Geschafft, dass Grossegel eingerefft, saßen wir beide im Boot
und sahen uns mit großen Augen an: „Und was jetzt“. Wir wussten beide, dass wir jetzt den Anker hoch holen und um die ausgelegten Bojen segeln sollten. Ja aber mach dass mal, wenn du den
Wind von vorne hast??? Damals hatte ich aus meiner Unwissenheit und meiner Angst heraus noch nicht soweit gedacht, das wir uns wegen dem Gegenwind nicht vorwärts bewegten. Matthias meinte
immer nur: „Backbord, Du musst Backbord“. Ja toll, wenn man jetzt auch noch wüsste, was Backbord ist!!! Ich also erst mal das Ruder bewegt, natürlich nicht nach Backbord, was uns
wiederum die Fahrt nahm. „Backbord, Julia“ Das Boot schaukelte und wippte und mir war überhaupt nicht mehr nach Segeln. Matthias sah mich erwartend an. „Was ist denn Backbord, rechts
oder links?“ Au man war mir das peinlich, aber ich wusste es wirklich nicht. Wie oft hatte ich mich früher über meine Mutter beköstigt, die nicht mal rechts und links auseinander halten
konnte. Matthias erklärte mir also Backbord und Steuerbord soweit das auf einem stark wippenden, schaukelndem Boot und ziemlich viel Wind eben ging. Aber ich hatte so mit mir und dem
Geschaukel zu tun, dass in diesem Moment weder Backbord und Steuerbord noch rechts und links klappte. Wir bekamen fahrt und fuhren Richtung Boje. So, nun bitte eine Wende. Wie war das noch
mal, wo lang jetzt die Pinne? Mal ganz abgesehen von Back- und Steuerbord, es war ein scheiß Spiel. Irgendwie und mit viel Getöse von Matthias waren wir jetzt rum um die Boje. Es ging
weiter, es blieb keine Zeit um einmal tief Luft zu holen oder sich zu sammeln und das mit dem Back- und Steuerbord auf die Reihe zu bekommen. Ich hörte immer nur eben diese Worte und
verzweifelte an dem Ruder zumal der Wind eher stärker als weniger wurde. Außerdem waren ja nicht nur wir auf dem See, sondern noch die 5 anderen Boote der Segelschule und die
Freizeitsegler. Das ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn so eine größere Kielyacht von vorne kommt und man eigentlich überhaupt nicht weiß, wo lang jetzt? Matthias war ziemlich
gereizt und wurde energisch mit seinen Backbord bzw. Steuerbord rufen. Ich war fix und fertig. Dazu kam die Angst, die sich bei jeder Krängung extrem steigerte. Kurz vor einer Wende hatten
wir eine so starke Krängung, dass ich in den höchsten, noch nie von mir hörbaren Tonlagen aufschrie. Darüber hatte ich mich bald mehr erschrocken als über die Krängung. Das war der
Punkt, wo ich am liebsten ausgestiegen wäre. Wahrscheinlich hätte ich mich dann nie wieder in ein Segelboot gesetzt. Aber wir mussten weiter. Ab da an riss ich mich zusammen. Was sollte ich
auch anderes tun, die Situation war peinlich genug. Unser Segellehrer erkundigte sich grinsend nach meinem Wohlsein oder vielmehr Unwohlsein. Matthias sagte nun nicht mehr so viel zu mir. Ich
entschloss mich, der Angst ins Auge zu sehen. Ich setzte mein Gehirn ein und versuchte logische Erklärungen für das Bootsverhalten zu suchen. Mit der Zeit hatten wir es dann raus, wie wir
die Wende fahren müssen, um nicht gleich zu kentern. Allerdings ließ dann auch der Wind etwas nach, so dass ich auch mal zum Luftholen kam. Langsam meldete sich dann auch mein Verstand
zurück, was mein Verhältnis zu Back- und Steuerbord erheblich verbesserte. Leider waren bis dahin schon zwei Stunden um und wir mussten zurück in unsere Bucht segeln.
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